Good Practice Breitensport

 

Auf dieser Seite stellen wir Good Practice-Beispiele aus verschiedenen Verbänden/Vereinen vor. Diese sollen informieren und gerne auch inspirieren, wie spezifische Organisationen im Bereich Strategieentwicklung, Mitgliedergewinnung oder Freiwilligenarbeit vorgehen. Die aufgeführten Beispiele wurden seit 2019 im LOC-Jahresbericht vorgestellt.

 

2022: Segel Surfing Club Liechtenstein

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Segel Surfing Club Liechtenstein - Mitgliedergewinnung


Der Segel Surfing Club Liechtenstein (kurz SSCL) hatte wie so viele andere kleinere Verbände und Vereine in den letzten Jahren mit Stagnation der Mitgliederzahl oder gar mit Mitgliederschwund zu kämpfen. Durch verschiedene Massnahmen haben wir versucht, dem entgegenzuwirken. Dank einiger dieser Massnahmen konnten wir in den letzten Jahren einen erfreulichen Zuwachs an Mitgliedern verzeichnen.

Surfkurse

Die Schwelle, um eine Sportart wie Windsurfen ohne Hilfe zu erlernen, ist sehr hoch. Darauf haben wir reagiert und jährlich zwei gratis Surfkurse Anfang sowie Mitte Saison organisiert. Erfahrene Surferinnen und Surfer aus unserem Verein vermittelten unseren jeweils 8-15 potenziellen Neumitgliedern die Grundlagen des Surfsports. Das Programm bestand aus einer kurzen Theorielektion, einem Trockentest auf unserem Surf-Simulator und anschliessender Feuertaufe auf dem Wasser. Ein Rettungsboot brachte die Surfneulinge bei Bedarf sicher wieder an Land. Durch das freiwillige Engagement unserer Mitglieder konnten wir meist aus jedem Kurs 5 – 10 Neumitglieder gewinnen. Des Weiteren steht allen Neumitgliedern die Möglichkeit offen, das Clubmaterial zu nutzen, um herauszufinden, welches Material sich für sie am besten eignet, bevor sie eine eigene Surfausrüstung kaufen.

Gesellschaftliche Anlässe

Ein wichtiges Element des Surfsports besteht darin, neben dem Surfen gemeinsam Zeit zu verbringen und sich über diesen tollen Sport auszutauschen. Somit sind Anlässe wie ein Neumitglieder-Apéro, an dem sich die neuen und bisherigen Mitglieder kennenlernen und Erfahrungen austauschen können, sehr wichtig. Davon konnten die Neumitglieder ebenso profitieren wie die langjährigen Surfer*innen und gemeinsam verbrachten wir einen schönen Samstag. Weitere gesellschaftliche Anlässe des SSCL sind beispielsweise eine Herbstwanderung, ein gemeinsamer Kegelabend oder das Surfwochenende am Comersee.

Erweiterung des Sportangebots (Trends und Innovationen)

Auch im Surfsport gibt es immer wieder neue Trends. Der Vorstand hat sich gegenüber Foil-Windsurfing, dem Tandemsport oder auch dem Wingsurfen, welche in den letzten Jahren neu oder wieder stark an Beliebtheit gewonnen haben, immer offen gezeigt. Das Foil-Windsurfen, welches mittlerweile fester Bestandteil jeder Regatta ist, hat ebenfalls dafür gesorgt, dass bei wenig Wind weitaus mehr Zeit auf dem Wasser verbracht werden kann. Zudem hat das Tandemsurfen wieder an Beliebtheit gewonnen. Der Surfclub hat daraufhin zwei Tandemboards angeschafft und diese in unserem Clubhaus am Walensee stationiert. Die Offenheit und Aufnahme neuer Trends haben dazu geführt, dass sich neue Mitglieder bei uns eingeschrieben haben.

Wir hoffen, euch einen kurzen Einblick in unser Vereinsleben gegeben haben zu können und würden uns freuen, wenn unsere Ideen euch dazu inspirieren, Neues in euren Verein einfliessen zu lassen. Wir danken dem LOC für die Möglichkeit, den SSCL vorzustellen.

Der SSCL ist Mitglied des Liechtensteinischen Wassersportverbandes.

Patrick Maier
Breitensportverantwortlicher
SSCL Vorstand

 

2022: Schachverband

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Chess Federation Liechtenstein: Projektförderung Breitensport

Folgende drei Massnahmen zeichnen die Aktivitäten der Liechtenstein Chess Federation 2022 besonders aus.

1. Strategie-Entwicklung

Um die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre optimal fortzuführen, wurde im Februar 2022 der „Strategie-Entwicklungs-Prozess LCF“ gestartet.

Konzept / Zielsetzungen

  • Unter dem Motto „LCF - Quo Vadis“ sollten folgende Themen eruiert werden:
  • Wo stehen wir und wohin wollen wir?
  • Wie gelingt es uns, unser Jubiläums-Motto „Schachoffensive Liechtenstein mit besonderem Fokus auf Frauen, Jugend und Senioren“ konkret umzusetzen?
  • Auf welchen Wegen erreichen wir unsere kurz-, mittel- und längerfristigen Ziele?

Strategieworkshop im Bildungshaus Gutenberg

Teilnehmende am Strategieworkshop, der von Tiago Spagolla gekonnt moderiert wurde, waren neben den LCF-Vorstandsmitgliedern, dem früheren Präsidenten des Schweizerischen Schachbundes, einem Jugendtrainer, einem IT-Berater und dem LOC Breitensportverantwortlichen auch Mitglieder der Schachclubs Triesen und Vaduz. 

Im Rahmen von Gruppenarbeiten und Plenumsdiskussionen schälten sich folgende Hauptthemen heraus, die in einer zweiten Phase angegangen werden sollten:

  • Stärkung /Ausbau Verbandsleitung (Reduktion Klumpenrisiko)
  • Förderung Frauenschach
  • Förderung Schulschachprojekt CIS
  • Digitalisierung, Soziale Netzwerke

Phase II des Strategie-Entwicklungs-Projektes

Um von der Ideensammlung zu konkreteren Zielsetzungen und Massnahmen zu kommen, wurden in einer Klausurtagung des Vorstands im Juni 2022 die Stossrichtungen geordnet, bewertet, priorisiert und mit konkreten Zielsetzungen und Massnahmen versehen.

Aus dieser Klausurtagung resultierte schliesslich der Umsetzungsplan, welcher Stossrichtungen, Ziele, konkrete Massnahmen und Verantwortlichkeiten sowie den Umsetzungstermin beinhaltete. Dieser Umsetzungsplan wurde an den folgenden Vorstandssitzungen jeweils aktualisiert und wird auch weiterhin als wertvolle Orientierungshilfe dienen.

Es konnten bereits Massnahmen daraus umgesetzt werden, wie z.B. die Gewinnung einer Verantwortlichen für Soziale Netzwerke sowie eine Botschafterin für das Projekt Frauenschach.

2. Schulschachprojekt CIS

Ausgangspunkt

Das im Jahre 2014 initiierte Projekt CIS (Chess in School) ist ein absolutes Aushängeschild der Liechtenstein Chess Federation LCF. Das vom Bildungsministerium und dem Schulamt bis anhin weder in finanzieller noch personeller Hinsicht unterstützte Schulschachprojekt erfreut sich glücklicherweise dank einiger überzeugter Lehrpersonen sowie Gemeinden und Stiftungen – aber auch dank der finanziellen Unterstützung des Weltschachbundes FIDE und der Europäischen Schachunion ECU – einer immer grösser werdenden Fangemeinde, sowohl bei Schulpräsidenten und Lehrpersonen als auch Eltern. 

Ist-Situation

Lag die Schüleranzahl im CIS-Startjahr 2015 mit zwei teilnehmenden Schulen (Schaan/Eschen) noch bei 42 Schülern, so stieg das Interesse von teilnehmenden Gemeinden kontinuierlich an und verzeichnete im Schuljahr 2022/23 einen Rekord von 192 teilnehmenden Schachschülern in 5 Gemeindeschulen.

3. Frauenschach

Ausgangspunkt

Der Weltschachbund FIDE hat das Jahr 2022 zum Schachjahr der Frauen proklamiert, weshalb sich auch die LCF intensiver im Frauenschachthema einbringen wollte. Die Anzahl an Schachspielerinnen ist in Liechtenstein und weltweit verhältnismässig gering.

Ist-Situation

Nur der Schachclub Triesen hat aktuell einige Spielerinnen in seinen Reihen. Der LCF ist es gelungen, mit Fidemeisterin Dr. Anita Stangl eine ausgewiesene Expertin in Sachen Training/Coaching zu engagieren. Erste Zoomtrainings mit der neuen Frauenbotschafterin haben bereits stattgefunden, ein gemeinsames Trainingslager ist in Vorbereitung.

Vision

Unter anderem soll ein erweitertes Trainingsangebot viele Frauen für den Schachsport begeistern. Die LCF plant, in zwei Jahren am grössten Schachevent der Welt erstmalig mit einem Frauenteam teilzunehmen.

 

2021: Handballverband

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Ist-Analyse & Neuorganisation des Handballverbandes

Im Januar 2021 hat der neu formierte Vorstand den Liechtensteiner Handballverband übernommen. Dynamisch, jung, motiviert und erfahren beschreibt die neue Zusammensetzung am besten. Mit drei aktiven Handballern und einem ehemaligen LHV Präsidenten ist das Handball Knowhow mehr als gegeben. Meret Racz, Aktuarin des LHVs, hat noch nicht das grösste Handballwissen, aber mit ihren innovativen Ideen komplettiert sie den Vorstand perfekt.

In der ersten Vorstandssitzung wurde ein Fünf-Jahresplan erstellt und Teilziele definiert, welche für den neuen Vorstand eine hohe Priorität hatten. Um mit der eigentlichen Arbeit beginnen zu können, hat der Vorstand verschiedene Prozesse und Abläufe neu strukturieren und modernisieren müssen. Was früher alles in Ordner abgelegt wurde, ist nun in einem Onlinearchiv zu finden. So hat jedes Vorstandsmitglied zeit- und ortsunabhängig darauf Zugriff.

Danach stand an erster Stelle, ein gutes Fundament für alle weiteren Verbandsarbeiten zu schaffen. Dazu gehören korrekte Statuten, ein Logo mit Wiedererkennungswert und eine aktuelle, intuitive und moderne Homepage. Ausserdem war ein wichtiges Anliegen des Vorstandes, dass der Verband eine hohe mediale Präsenz zeigt, sowohl auf Social Media als auch in den regionalen Zeitungen. All diese Dinge konnten überraschend schnell bis zur ersten Delegiertenversammlung im September umgesetzt werden.

Diese Dinge waren das A und O, um in Zukunft auf einem Grundfundament gesund wachsen zu können. Um die Jugendlichen zu erreichen ist speziell Social Media heutzutage unabdingbar. Ob in der Zeitung, auf der Homepage, auf Social Media oder bei dem neu eingeführten Newsletter, es ist für jede Altersgruppe etwas dabei.

Bereits nach kurzer Zeit hat die geleistete Arbeit schon Früchte getragen. Der Vorstand erhielt viele Rückmeldungen von ehemaligen und aktiven Handballern sowie von Angehörigen, die den Vorstand gerne bei ihrer Arbeit unterstützen würden.

So kam es auch dazu, dass bereits noch im letzten Jahr ein Trainer gefunden wurde, der das zukünftige Nationalteam und das Regionalteam coachen und trainieren wird. Aktuell ist der LHV mithilfe des Trainers das Regionalteam am Aufbauen.

Um den Nachwuchs zu sichern, ist der Vorstand gerade dabei, ein fünfköpfiges Team zu bilden, welches sich um die Juniorengewinnung und für das Verbreiten von Softhandball einsetzt.

Den Vorstand zeichnet aus, dass jeder seine Ideen einbringen darf und diese auch geprüft werden. Dies ist sicherlich nicht selbstverständlich. Oft hört man folgenden Satz in Vereinsstrukturen: «Alles wird so gemacht, wie es bisher gemacht wurde, denn bis jetzt hat es immer funktioniert». Mag sein, dass es immer funktioniert hat. Die Frage ist nur, ob es die beste Lösung ist.

Unser Fazit ist: Egal wie utopisch eine Idee ist, jede Idee hat es verdient, fair geprüft zu werden. Gebt den Jungen eine Chance in ein Vorstandsamt hineinzuwachsen und hört auf ihre Ideen.

Der Vorstand hofft ein gutes Beispiel für andere Verbände und Vereine sein zu können und durch diesen Bericht für neue Motivation und Ideen inspiriert zu haben. Der LHV fühlt sich sehr geehrt, sich als «Good Practice» Projekt präsentieren zu dürfen.

Alissa Wohlwend

Präsidentin des Liechtensteiner Handballverband, 2021

2019: Billardverband

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Breitensportprojekt Eagles Juniors Billard Academy

Das Training im Billardsport erfolgt meist alleine oder zu zweit innerhalb der Vereine. Gerade im Juniorenbereich sind jedoch Trainings in grösseren Gruppen sehr wichtig. Kinder sollten gemeinsam die Werte des Sports wie Respekt, Fairness, Leistungsstreben aber auch Freundschaft und Solidarität erlernen und entwickeln. Leider gab es in Bezug auf die Juniorenarbeit bislang keine regionale und vereinsübergreifende Zusammenarbeit, sodass die Vereine ihre Junioren selbst trainieren und ausbilden mussten. Für kleine Vereine ergab sich zudem das Problem, dass sie in der Regel nicht über die notwendigen Trainer und Betreuer verfügen, um ein qualitativ hochwertiges Training anzubieten.

Um diese Situation zu verbessern, haben sich mehrere Vereine aus Vorarlberg und Liechtenstein im Herbst 2018 dazu entschlossen, mit der «Eagles Juniors Billiard Academy» einen eigenständigen Verein zu gründen, der die Juniorenarbeit länderübergreifend koordinieren soll. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zum 21. Lebensjahr aus Liechtenstein, Österreich und der Schweiz können Mitglied werden, unabhängig davon, ob sie bereits in einem Heimatverein spielen oder nicht.

Durch die besondere Konstellation, dass die Eagles Academy als eigenständiger Verein agieren kann, ergeben sich viele Vorteile. Besonders wichtig ist, dass die Eagles Academy eine klare Philosophie, z.B. das Technikleitbild, vorgeben kann und somit alle Junioren vereinsübergreifend nach den gleichen Grundsätzen den Sport erlernen können. Die Trainings können in grösseren Gruppen und bei unterschiedlichen Vereinen durchgeführt werden. Dadurch können auch die Jugendbetreuer der Vereine profitieren, indem sie lernen, die Technik- und Trainingsvorgaben in ihren Vereinstrainings optimal umzusetzen.

Finanziert wird die Eagles Juniors Billard Academy durch die Verbände und die Vereine. Das Projekt wurde im Jahr 2019 über den Liechtensteiner Billardverband beim LOC als Breitensportprojekt eingereicht und als Best Practice Project ausgezeichnet.

Derzeit zählt die Eagles Academy 15 Mitglieder, fünf davon kommen aus dem Juniorenteam des Billard Club Schaan.

Fabian Schierscher

Obmann der Eagles Juniors Billard Academy, 2019